Herxheim am Berg wurde auf einem Vorhügel des vorderen Haardtgebirges, wohl um 550 n.Chr., als fränkische Siedlung im Bereich des heutigen „Pfaffenhofes“ gegründet. Damals nannte sich das Dorf nach dem Gründer der Sippe wohl ein „Herigis“. Davon leitete sich später der erste Ortsname „Heriesheim“ ab. In einer Urkunde des Klosters Weißenburg im heutigen Elsass wird „Heriesheim“ erstmals im Jahr 774 n.Chr. zusammen mit dem heute noch bedeutenden Weinanbau erwähnt.

Doch schon Jahrtausende vor der Entstehung des Ortes wurden rund um Herxheim immer wieder archäologische Funde gemacht, die die Anwesenheit der ersten Menschen aus der Steinzeit belegen.

So gelten bisher die Feuersteinfunde bei der Karsthöhle aus der jüngeren Altsteinzeit (zw. 20000-15000 v.Chr.) als die ältesten menschlichen Artefakte in der hiesigen Gemarkung. Steinbeile und Bruchstücke aus der Jungsteinzeit, die alle westlich des Ortes gefunden wurden, sind inzwischen von der Landesarchäologie zw. 5000-3000 v.Chr. eingeordnet worden. Ein in der Karsthöhle gefundenes Knochenstäbchen (Pfriem) und ein in der Südgewann gefundener Mühlstein (Napoleonshut) werden beide in die Zeit um 2000 v.Chr. datiert. Zudem erwähnt Jakob Berlet in seinem 1960 erschienenen „Herxheimer Heimatbuch“ Funde aus der sog. „Hallstadtzeit“ (1200-550 v.Chr.).

Aus der Römerzeit (zw.1.-4. Jh. n.Chr.) können wir auch in und um Herxheim zahlreiche Münzen, Gefäßscherben und Dachziegelstücke nachweisen.

Ein westlich des Ortes gefundenes Gräberfeld aus der Merowingerzeit (zw. 5.-8. Jh. n.Chr.) stellte zudem die erste Grablegung der Gründer von Herxheim am Berg dar.

Im Mittelalter gehörte der Ort zur Grafschaft Leiningen, deren Grafen wohl wegen ständiger Streitigkeiten mit der Kurpfalz etwa um 1450 Herxheim mit einer Befestigungsmauer ausstatteten. Die Wehrmauer wurde bereits im Mai 1461 durch die Truppen des Kurfürsten Friedrich I. zerstört und danach brannten die Eroberer den gesamten Ort nieder und töteten fast alle Bewohner. Lediglich drei heute noch vorhandene Kellergewölbe blieben aus dieser Zeit übrig. Viele Häuser wurden damals wieder aufgebaut -das älteste heute noch existierende Wohnhaus (Fachwerkhaus) stammt aus der Zeit um 1480. Fast ein Dutzend Häuser oder Stallungen, die wir dem 16. Jh. zuweisen können, existieren heute noch im Ort. Die meisten historischen Winzerhöfe stammen jedoch aus dem 18.-19. Jahrhundert. In dieser Zeitspanne entstanden auch der größte Teil der über 60 Brunnen (Schachtbrunnen) in den Winzeranwesen. Zwei Brunnen stellen eine regionale Besonderheit dar - zum einen der 1858 gegrabene „Marienbrunnen“ mit seinem rund 26m langen Brunnenstollen, der dazu diente, dem Nachbarn das Brunnenwasser mittels eines unterirdischen Ganges abzugraben, da dieser das Wasser in der Notzeit im Jahr 1858 teuer an die notleidenden Dorfbewohner verkauft hat. Die zweite Besonderheit ist der Judenbrunnen (Mikwe), der wohl unmittelbar nach 1753 in einem Keller eines Wohnhauses gegraben wurde und in dem noch heute klares bzw. „koscheres“ Wasser enthalten ist. Diese Mikwe stellt als jüdisches Ritualbad in seinem Pfälzer Dorf, die heute noch „rituell reines“ Wasser beinhaltet, eine Seltenheit dar.

Genauso selten wie das jüdische Ritualbad ist auch die über 1000-jährige romanische Jakobskirche, welche zu den ältesten Kirchen in der Pfalz zählt und schon 1014 vor dem Dombau in Speyer existiert hat. Mit einem Vorgängerbau wohl aus dem 8. Jahrhundert steht der nach Osten ausgerichtete Kirchenbau für die Anfänge der Christianisierung in unserer Region. Im romanischen Turm belegen bereits um 1250 frühgotische Schallöffnungen die Existenz von Kirchenglocken, die erstmalig 1597 urkundlich nachgewiesen wurden. Durch Brände und Kriege kamen immer wieder neue Glocken zum Einsatz – zuletzt nach dem großen Kirchenbrand von 1934. Die Kirche wurde dann am 22. Oktober 1935 wieder eingeweiht. Von den drei Glocken blieb nach dem 2. Weltkrieg nur noch die Gemeindeglocke übrig, da die anderen beiden 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzen werden mussten. Seit Mai 2017 stößt diese, 1934 als „Polizeiglocke“ gegossene, Bronzeglocke durch ihre Inschrift mit nationalsozialistischem Hintergrund auf großes mediales Interesse.

Mit der Einführung der Reformation 1566 durch den Leininger Grafen Emich XI. in Herxheim begannen in der kleinen Kirche nicht nur Veränderungen in der „neuen“ Lehre, sondern auch im baulichen Bereich. So vergrößerte man beispielsweise die Fenster, damit mehr Licht ins Kircheninnere kommt und man schaffte sich um das Jahr 1537 ein noch heute existierendes Taufbecken an. Ziegelscherben aus römischer Zeit, die direkt bei der Kirche und bei einer Bohrung 2016 vor dem Eingang gemacht wurden, deuten zudem auf einen heidnischen Vorgängerbau (z.B. Wachtturm) hin. Die Wandmalereien im Altarraum aus dem 13. Jahrhundert zählen auch zu den Ältesten in der Pfalz. Auch ein bisher noch nie geöffnetes ausgemauertes Grab aus dem Jahr 1775, in dem der verstorbene Schlossbesitzer Friedrich Ludwig von Reineck beim 1379 gestifteten Altar liegt, bereichert die Kirchengeschichte.

So verwundert es nicht, dass die Kirche, zusammen mit dem 1496 erstmals erwähnten Pfaffenhoftor, das damals als „Tor nach Wald“ bezeichnet wurde, heute immer noch als Wahrzeichen von Herxheim gilt. Das Tor in seiner heutigen Form mit dem Neidkopf im Mittelrundbogen stammt allerdings aus dem Jahr 1788, als der gesamte Hof in den Besitz des Domkapitels Speyer überführt wurde. Nach dem Einzug der Franzosen 1794 flohen im Vorfeld die Leininger Grafen über den Rhein und 1806 versteigerten die französischen Besatzer den Herxheimer Kirchenbesitz im Pfaffenhof an Privatleute. Das 1771 gebaute Schlösschen im Pfaffenhof fand keinen guten Besitzer, der es erhalten wollte und so verlor der Ort durch den Abriss um 1850 sein bisher schönstes und größtes Anwesen - nur das Kellergewölbe ist bis heute erhalten geblieben. Im 19. Jahrhundert ging es den meisten im Ort wohnenden Weinbauern durch eingeschleppte Rebkrankheiten und der Reblaus wirtschaftlich sehr schlecht. Daher konnten die damaligen Herxheimer die 6500 Gulden zum Erwerb des ihnen sehr am Herz liegenden „Reineckschen Schlössels“ leider nicht aufbringen.

Viele Bewohner verließen in dieser armen Zeit Herxheim und wanderten z. B. nach Amerika aus. Auch die über 35 jüdischen Bewohner hielten es aus wirtschaftlichen Gründen als Wein- und Viehhändler nicht mehr in ihrer alten Heimat und so gab es um 1900 keine Juden mehr im Ort.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch die ersten Straßen mit Kopfsteinpflaster befestigt und das erste Neubaugebiet nach der Renaissance, der Dackenheimer Weg, entstand etwa ab der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts.

Mit der Gründung von Wirtshäusern (z.B. durch Familie Herrscher) versuchten die damals so gebeutelten Winzer ihren Lebensunterhalt aufzubessern. In einem Keller dieser früheren Wirtshäuser befindet sich noch heute ein um das Jahr 1875 erbauter rund 33m tiefer Brunnenschacht, der heute noch als tiefster gegrabener Brunnen der Pfalz in einem Privatanwesen erwähnt werden kann. Aktuell existiert von den einst zahlreichen Wirtshäusern aber nur noch das Gasthaus Honigsack, das seit 1787 ununterbrochen als Wirtshaus geführt wird. Mit der Einführung der Elektrizität ab 1918 und der Fertigstellung der Wasserleitung 1921 war die Infrastruktur deutlich verbessert.

Durch den Zusammenschluss der Herxheimer Winzer im Jahr 1937 wurde die heute noch bestehende Winzergenossenschaft gegründet, deren Weinkeller noch vor Kriegsbeginn nahezu fertiggestellt war.

Leider hat der 1. und 2. Weltkrieg vielen Herxheimern das Leben gekostet und im September 1943 zerstörte ein Bombenangriff rund 40 Gebäude und viele Familienhäuser sind vollkommen abgebrannt und dadurch unbewohnbar geworden. Dieser Bombenabwurf kostete glücklicherweise kein Menschenleben, doch stellte der 2. Weltkrieg die schlimmste Zeit für den Ort nach der Katastrophe von 1461 dar. Der Wiederaufbau war teilweise erst in den 1960er Jahren abgeschlossen und bis Ende dieses Jahrzehntes sollte es noch dauern, bis erstmals in der Ortsgeschichte eine Kanalisation ihren Dienst aufnehmen konnte.

Alle größeren Gemeindeveranstaltungen fanden damals in dem 1933 gebauten Tanzsaal im Gasthaus Honigsack statt, erst 1975 wurde das heutige Dorfgemeinschaftshaus fertig-gestellt. Darin feierte man nun in den großen Räumlichkeiten des ehemaligen Schulhauses die Hauseinweihung und die zuvor um ein Jahr verschobene 1200- Feier der Ersterwähnung von Herxheim am 19. September 1975 gleich mit. Die Gemeinde gab auch in dieser Zeit durch die Gründung der Verbandsgemeinde in Freinsheim 1972 ihre verwaltungsrechtliche Selbstständigkeit auf. Durch den Bau des ersten Neubaugebietes in der Nachkriegszeit (Am Goldberg) in den 1950er Jahren, des zweiten (Im Eulengeschrei) in den 1980er Jahren und des dritten und bisher letzten in den 1990er Jahren entstandenen Neubaugebietes (Am Dörrling), erreichte Herxheim nun eine Einwohnerzahl von rund 800. Im Sommer 2002 drehte auch das SWR erstmalig einen TV- Beitrag über Herxheim für die Sendung „Hierzuland“, die am 21. August ausgestrahlt wurde. Für die vielen Kinder errichtete die Gemeinde 2003 einen Kinderspielplatz im Eulengeschrei, der bis heute immer noch gerne genutzt wird.

Mit der Gründung des Weinbauvereins 1953 und des Verkehrsvereins 1981 stand immer mehr der touristische Aspekt im Vordergrund und somit war man 1995 froh, als im Mai erstmals zahlreiche Gästezimmer im Gästehaus Goldberghof zur Verfügung standen.

Mit der staatlichen Anerkennung Herxheims 2004 als Fremdenverkehrsgemeinde und der großen Auszeichnung des seit 2002 existierenden „Wein- & Sektsymposiums Kurpfalzblick“ als schönstes Weinfest der Pfalz im Jahr 2005 war nun der Weinbautourismus auf Höchstniveau. Daher verwundert es nicht, dass bis heute 3 „pfälzische Weinprinzessinnen“ und 1979 mit Heike Bohnenstiel sogar auch eine „pfälzische Weinkönigin“ aus Herxheim gekrönt wurden.

Emmi Bohnenstiel (1921-2001), die Mutter der pfälzischen Weinkönigin Heike I., galt zudem als bedeutendste Herxheimer „Heimatdichterin“, denn sie verfasste in den Jahren 1985-1993 insgesamt 4 kleine Gedichtbändchen.

 Zu dieser Zeit wohnte und arbeitete im Pfaffenhof zwischen 1978-1991 auch ein bedeutender Künstler der „phantastischen Kunst“, nämlich Werner Holz (1948-1991), der als Berufsmaler internationale Berühmtheit erlangte. Er schuf in seinen nur 42 Lebensjahren Hunderte von Bildern. Neben seinem Hauptsymbolen „dem Narr“ und „dem Einhorn“ kam in seiner Malerei auch nie der Wein zu kurz.

Mit der Inbetriebnahme eines Bahnhaltepunktes am Bahnübergang nach Freinsheim im Jahr 1994, welcher damals rund 1 Million D-Mark gekostet hat und der Freischaltung der ersten ortseigenen Homepage im September 2014, bekam das kleine Winzerdorf buchstäblich den breiten Zugang in die „große weite Welt“. Ein neuer Ortsflyer in seiner vierten, ganz neu gestalteten Version, bewirbt seit August 2014 mit vielen bunten Bildern den Winzerort von seinen schönsten Seiten.

Neben der tollen Lage, dem edlem Wein und der bisher angeführten Ortsgeschichte, darf natürlich das westlich des Dorfes gelegene Naturschutzgebiet Felsenberg - Berntal als „Naturhighlight“ nicht ausgelassen werden. Seit nunmehr über 100 Jahren gehört das rund 300 Hektar große, 2005 auch als europäisches Vogelschutzgebiet anerkannte Areal mit seiner bedeutenden Flora und Fauna zu den schönsten Naturschutzgebieten im Pfälzer Land. In der Karsthöhle, die 2012 zum Naturdenkmal erhoben wurde, wurde 2009 der Doppelschwanz als erstes Tierchen dieser Art in Deutschland identifiziert. Auch eine weiße Höhlenassel, die man 1 Jahr zuvor gefunden hat, wurde als erstmaliger Fund in der Pfalz bestätigt und stellt in dieser rund 5 Millionen Jahre alten Kalksteinhöhle eine Einzigartigkeit dar. Die Gemeinde und Naturschutzvereine versuchen dieses bedeutende und sensible Naturschutzgebiet dauerhaft zu schützen.

2018 soll ein Planfeststellungsverfahren zum Bau einer Bundesstraße (B271 West) einleitet werden, welche zukünftig (vielleicht in 10-15 Jahren) dieses einzigartige Tal mit einer über 200m langen Brücke quer durch das Naturschutzgebiet überspannen soll.

Wir als Ortsgemeinde laden Sie nun recht herzlich ein, die Menschen, unseren guten Wein, die Feste mit unserer vielschichtigen Ortsgeschichte kennenzulernen und die besonderen Schönheiten der Natur zu bestaunen, solange diese hier noch unberührt existieren!

Aktuelles

Keine Termine
Zum Seitenanfang