Weinbaugeschichte

An der rund 85 km langen „Deutschen Weinstraße“  zählt Herxheim am Berg zum Weinbaugebiet Pfalz (Bereich: Mittelhaardt). Seitdem es Weinbau in der Pfalz gibt, ist das Gebiet um Herxheim mit seinen nach der Sonne geneigten, vor kalten Winden geschützten Hügeln ein bevorzugtes Weinbaugebiet. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde die Weinrebe durch weltliche und geistliche Landesherrn angebaut und gefördert.

Die Römer brachten durch die Besatzungstruppen des Gajus Julius Cäsar im Jahr 58 v. Chr. erstmals die Weinbaukultur in das Gebiet der heutigen Pfalz, was viele archäologische Funde belegen. Auch der römische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt in seinen Büchern ausdrücklich, dass die Germanen keinen Weinbau kannten. Wollten doch die römischen Legionäre nicht dauerhaft auf das „Lieblingsgetränk“ ihres Weingottes Bacchus verzichten, denn die vorherigen Bewohner unserer Gegend (Kelten) kannten die Weinbaukultur wie schon erwähnt nicht. Durch den keltischen Fund eines Weingefäßes in Bad Dürkheim (Fürstengrab), das auf um 450 v. Chr. datiert wird, wird jedoch belegt, dass die Kelten in unserem Raum sehr wohl den Wein als Getränk kannten und auch damals sogar schon ihn aus dem fernen Marseille (Frankreich) importieren ließen.

Daher verwundert es nicht, dass schon in der ersten urkundlichen Erwähnung Herxheims im Klosterkodex von Weißenburg (Elsass) bereits im 10. Jahrhundert eine größere Menge Wein als Kirchenzehnt abgegeben werden musste. So heißt es wörtlich in der etwa aus dem Jahr 925 n. Chr. stammenden Weißenburger Klosterurkunde:

„Im anderen Herxheim ist ein Hof, von dem man ein Fuder Wein (1000 Liter) liefert und einen Schilling. Außerdem sind da noch Weinberge zu 7 Fuder“. 

Für Herxheim am Berg gilt also, dass es schon damals im Gegensatz zum anderen Herxheim bei Landau, von dem dieselbe Klosterurkunde berichtet, es einen ansehnlichen Weinanbau in unserer hiesigen Gemarkung gegeben hat. Die in der Urkunde erwähnten 8000 Liter Wein spiegeln im Verhältnis zu Herxheim bei Landau mit nur damals ca.  200 Liter, die in demselben Dokument erwähnt werden, auch die heutige Weinbausituation beider Ortschaften wieder.

Die 10 Herxheimer Weingüter und die örtliche Winzergenossenschaft stehen mit rund 750 Einwohnern dem größeren Namensbruder bei Landau mit etwa 8000 Einwohnern, und nur einem Weingut gegenüber. In der gesamten Weinbaugeschichte seit der Gründung Herxheims bis heute spielt also der Weinbau die größte wirtschaftliche Rolle in unserem Ort, was auf Herxheim bei Landau zu keiner Zeit zutraf. Im Lauf der Jahrhunderte hatten auch etliche Klöster Besitzungen in unserem kleinen Dorf. So mussten die Herxheimer Bewohner z.B. an die Klöster Höningen, Werschweiler, Rosental, Limburg und Nonnenmünster ihre `Weinzehnt- und Gültabgaben` errichten. Ein gewaltiger kirchlicher Zehntkeller im heutigen Pfaffenhof zeugt noch immer von der großen Weinbautradition. Die Gült- und Zehntweine Herxheims füllten nicht nur die Weinkeller der genannten Klöster, sondern auch die der Grafen zu Leiningen. Herxheim wurde im frühen Mittelalter dem Wormsgau zugeordnet und zählt schon, seitdem es die Leininger Grafen gibt, zu deren Grafschaft. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass fast alle Häuser in Herxheim mit einem Weinkeller gebaut wurden und dass das `Winzer- Küferhandwerk` eine besondere Rolle im Ort spielte.

In etlichen Urkunden vom Mittelalter bis zur Neuzeit wird immer wieder vom Wein und was sonst noch mit diesem „göttlichen Getränk“ im Zusammenhang steht berichtet. Es würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen, alles hier genau aufführen zu wollen. Es sei nur auf einen Beleg für die gute Qualität des Herxheimer Weines bereits im 18. Jahrhundert hier hingewiesen.

Ein Weinkenner aus dem Jahr 1782 schrieb beispielsweise wie es in der hiesigen Ortschronik (Heimatbuch Herxheim- 1960, S. 66) von Jakob Berlet, heißt:

„Die Hügel… zu Herxheim auf dem Berge, liefern eine Menge gesunder und wohlschmeckender Weine, unter welchem der Traminer (Gewürtztraminer) in Ansehung der Schwere und Lieblichkeit den Vorzug behaupten.“

Zwar wird hier besonders der heutige Gewürztraminer von dem Weinspezialisten gelobt, doch schon damals wie heute spielt der Riesling eine Hauptrolle beim Weinanbau im Ort.

Die Rebflächen und Bodenarten

Heute werden in der Herxheimer Gemarkung, die mit etwa 230 ha Reben bestockt ist, alle gängigen Traubensorten angepflanzt und zu Wein ausgebaut. Die Anbaufläche für Wein war in der Ortsgeschichte noch nie so groß wie heute, denn viele Ackerflächen und Obstfelder wurden nach dem 2. Weltkrieg immer mehr mit Reben bepflanzt und somit wurde immer mehr neues Weinanbaugelände erschlossen. Die Weinanbaufläche in Herxheim an Berg wird z.B. im Pfalzwein Almanach von 1953 mit insgesamt 156 ha (davon 86 ha Weißwein) angegeben bei damals rund 600 Einwohnern. 

Seit der großen Weingesetzreform von 1971 wurden die Herxheimer Weinlagen von etwa 10 etikettierten Weinlagen auf 3 Einzellagen reduziert, nämlich "Honigsack", "Himmelreich" und "Kirchenstück". Heute dürfen wieder die historischen Weilnagen auf die Flaschen etikettiert werden, denn die Gesetzgebung wurde diesbezüglich, um die alten Weinlagen hervorzuheben wieder geändert. 

Durch dieses EU Weingesetz wurden von den fast 3000 Einzellagen in der gesamten Pfalz, die das Buch Pfalzwein – Almanach 1953 noch aufführt, die Weinlagen 1971 auf nur noch 335 Einzellagen und 26 Großlagen reduziert. Auch in Herxheim am Berg kennt man heute viele Weinlagen, die vor 1971 auf den Weinetiketten aufgeführt waren wie z.B. Blume, Berg, Felsenberg, Goldberg, Mahlstein, Steinberg, Sommerseite immer noch und jetzt wieder. Im Herxheimer Gewannbuch von 1746 sind für unseren Ort sogar noch 45 Einzellagen (Gewannen) aufgeführt, die durch ihre winzigen Flurstücke (Parzellen) heutzutage gar nicht mehr alle kostengünstig bzw. wirtschaftlich bearbeitet werden könnten.  Insgesamt umfasst die gesamte örtliche Gemarkung mit Wald, Ackerland, Wiesen, Naturschutzgebiet, Garten und Ausgleichsflächen, sowie dem Ort selbst 447 Hektar.

Der tiefgründige Boden der Gemarkung von Herxheim, vorwiegend kalksteinhaltig, vielfach mit Lehm und Tonmergel untermischt, hält in seinen Tiefen, wohin die Wurzeln des Rebstocks dringen, das Grundwasser für längere Zeit fest, wodurch der Wasserhaushalt des Rebstocks günstig beeinflusst wird. Die Herxheimer Weine erreichen damit in Bezug auf den Alkohol, Säuregehalt und Gesamtextrakt eine harmonische Ausgeglichenheit. Der tertiäre Kalkboden speichert zudem die Tageswärme und gibt diese mit wertvollen Mineralien kontinuierlich an den Boden ab. Die Herxheimer Gemarkung hat deshalb wegen dieser besonderen Bodenstruktur von Kalk, Kalkmergel, Lehm, Ton und Löß einen ganz besonderen markanten Geschmack beim fertigen Wein, der unseren Winzern schon viele nationale und internationale Weinpreise eingebracht hat.

Die guten und weniger guten Weinjahrgänge

Abschließend sei noch angemerkt, dass nach dem alten „Kammertbau“ mit dem sogenannten „Bockschnitt“ bei der Rebenerziehung seit den 1830er Jahren bis heute in Herxheim am Berg die sogenannte „Drahtrahmenerziehung“ angewendet wird. Die erste Traubenmühle im Ort soll übrigens Heinrich Weimar (1828 – 1917) besessen und auch als Wagner selbst gebaut haben.

Die extrem kalten Winter von 1934 und von 1941/42 mit Temperaturen bis zu 23 °C unter Null sowie der Winter 1955/56 richteten leider viele Weinberge unseres Dorfes zugrunde. Nach 1900 verursachten das Auftreten des Heu- und Sauerwurms schlimme Rebkrankheiten wie Oidium oder Peronospora (Blattfallkrankheit) und die Reblaus als Schädling, die so massenhaft auftraten verursachte einen mageren Ernteertrag, sodass oftmals die gesamte Traubenernte so z.B. in den Jahren 1910, 1925, 1937 in Frage gestellt wurde.

Höhepunkte in der Weinqualität des 20. Jahrhunderts waren beispielsweise die Jahrgänge 1900, 1911, 1917, 1921, 1929, 1935, 1937, 1942, 1945, 1947, 1949 und die beiden Jahrhundertjahrgänge 1953 und 1959, wie dies das örtliche Heimatbuch von 1960 berichtet. Seit Anfang der 1980er Jahre wird die Traubenernte mit Trauben- Vollerntern maschinell in unserer Gemarkung eingeholt und seit Mitte der 1990er Jahre gab es durch den Klimawandel wie wir heute wissen immer bessere Weinqualitäten im Herbst. Auch werden seit 2010er Jahren in unserer Herxheimer Gemarkung immer mehr  pilzwiederstandsfähige Traubensorten (Piwis) angebaut, die mit dem fortschreitendem Klimawandel besser als die alten Rebsorten zurechtkommen. 

Dank der modernen Technik, die schnellere Ernten ermöglicht, des wissenschaftlichen Fortschritts im Weinanbau und in der Kellertechnik sowie des immer milderen Klimas werden die Weinernten seit der letzten Jahrtausendwende stets besser und schlechte Weinernten in unserem Anbaugebiet sind viel seltener geworden. 

Daher sehen die Winzer auch der Zukunft positiv entgegen, mit der gut begründeten Hoffnung auf viele weitere vorzügliche und sehr gute Weinjahrgänge!